Interview mit Florian Disson, Area Manager von PAF Deutschland

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Florian Disson ist 1978 geboren und in Neustadt an der Weinstrasse aufgewachsen. Er absolvierte das Studium der Betriebswirtschaftslehre in Greifswald, Schwerpunkt Marketing und den Master in European Law in Bologna, Ghent, Aix-en-Provence. Seit 2004 arbeitet er als Consultant für PAF. Dem Chefredakteur, Reinhold Schmitt von ISA-CASINOS, stand er in London auf der ACI/ATEI 2006, Rede und Antwort

Schmitt, ISA-CASINOS, Reinhold Schmitt Chefredakteur: Seit wann sind Sie in der Gaming Industrie tätig?

Florian Disson, Area Manager,<br> PAF Deutschland Florian Disson, Area Manager,PAF: Seit 2004 arbeite ich als Consultant für PAF. In diesem Rahmen habe ich eine Marktanalyse zur Glücksspielsituation in Deutschland erstellt. Seit November 2004 bin ich für PAF als Area Manager in Deutschland tätig, zuerst in Marienhamn Finnland und seit Januar 2005 in Berlin.

Schmitt, ISA-CASINOS: Hat die Industrie bereits einen Sättigungsgrad erreicht?

Disson: Nein, im Gegenteil. Die PAF Studie Online Betting & Gaming in Deutschland, Österreich und der Schweiz belegt, dass es in Deutschland ein beachtliches Potenzial gibt. Etwa im Bereich der Onlinewetten steht der Markt vor einer enormen Entwicklung. Denn der gesamte Glückspielmarkt ist hierzulande noch stark unterentwickelt – eine Folge des staatlich verordneten Monopols. Deswegen haben die Deutschen Gambling auch noch nicht in dem Maße als angenehmen Zeitvertreib für sich entdeckt, wie etwa in Finnland und Skandinavien. Das Pokerspiel im Internet ist dort bereits sehr populär. Hier kann man mit einem relativ geringen Einsatz lange Spielfreude genießen.
Sollte der deutsche Markt in naher Zukunft liberalisiert werden, können die Deutschen aus weit mehr Anbietern wählen. Und mehr Anbieter bedeuten auch mehr Wettbewerb. Dies wird vor allem die Qualität der Angebote verbessern, wie wir aus anderen Wirtschaftszweigen wissen. Eine Situation auf die sich vor allem die Verbraucher freuen können.

Schmitt, ISA-CASINOS: Welche besonderen Herausforderungen gibt es für Online Casinos und welcher Art von Wettbewerb müssen Sie sich stellen?

Disson: Die Besonderheit nicht nur des deutschen Glücksspielmarktes ist ja das staatliche Monopol. Diese Marktform halte ich allerdings für überdenkenswert und wird in dieser Form in Europa wohl kaum aufrecht erhalten werden können. Der Verbraucher wird meiner Meinung nach, durch die mangelnde Markttransparenz in die Arme unseriöser Anbieter getrieben. Hier spielt er oft in einer rechtlichen Grauzone. Eine weitere Folge des Monopols ist das Werbeverbot für seriöse Anbieter auch mit einer gültigen europäischen Lizenz. Der Wettbewerb unter ehrlichen Anbietern wird unterbunden. Wie soll auf Angebote aufmerksam gemacht werden, wenn nicht durch Werbung? Der dadurch entstehende Mangel an Aufklärung schadet letztlich nur dem Verbraucher. Denn unseriöse Anbieter scheuen sich nicht, auch mit illegalen Mitteln auf Kundenfang zu gehen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Besitzen Sie eine rechtsgültige Lizenz?

Disson: Ja, PAF ist ein von der åländischen Regierung staatlich lizenziertes Glückspielunternehmen. Die åländische Verfassung regelt die Inhalte der Lizenz. PAF ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und somit eine staatliche Organisation.

Schmitt, ISA-CASINOS: Wird es Ihrer Meinung nach eine Lockerung für EU-Lizenzhalter in der Europäischen Union geben?

Disson: Es wird definitiv Veränderungen geben. Die Zeichen sind sehr deutlich. Allerdings ist kaum zu erwarten, dass ein Markt geschaffen wird, auf dem jeder europäische Lizenzhalter „machen kann, was er will.“
Verschiedene Szenarien sind denkbar. Wahrscheinlich ist aber, dass der Markt dadurch reguliert wird, dass europäische Anbieter mit einer limitierten Anzahl von Lizenzen ausgestattet werden.

Schmitt, ISA-CASINOS: Führen Sie ein transparentes Unternehmen?

Disson: Als Verein des öffentlichen Rechts sind wir gesetzlich zur Offenlegung unserer Zahlen verpflichtet und richten die gesamte Unternehmenskommunikation offen und individuell auf die Kunden und andere Interessensgemeinschaften aus. Transparenz herrscht daher in allen Bereichen wie z.B. durch Offenlegung von Geschäftsberichten und Unternehmenszahlen. Unternehmenstransparenz ist im Übrigen auch eines der wichtigsten Kriterien, die wir auf einem liberalisierten Glücksspielmarkt für enorm wichtig halten. Nur so kann dauerhaft ein Markt seriöser Anbieter entstehen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Welche Unterschiede gibt es zwischen Online-Casino und Sportwetten?

Disson: Casino Spiele sind – abgesehen von Poker – reines Glückspiel. Auch wenn einige selbsternannte Experten immer wieder behaupten, es gebe Strategien mit Gewinngarantie beim Roulette. Wäre dem so, würde ich nicht hier sitzen. Bei Sportwetten ist es ja so, dass das Fachwissen dem Spieler weiterhilft. Hier kann er direkten Einfluss auf den Ausgang seiner persönlichen Wetten nehmen. Derjenige, der besser informiert ist als die Buchmacher, hat einen Vorteil.

Schmitt, ISA-CASINOS: Wird Poker einer Ihrer Zielmärkte in der Zukunft sein?

Casino Fähren Disson: Auf jeden Fall. In Finnland und Skandinavien ist Poker bereits viel populärer als in Deutschland. Ich bin überzeugt, dass das Spiel auch in Deutschland bald einen noch stärkeren Popularitätsschub erleben wird. Schon jetzt sind die Zeichen eindeutig. Soviel gepokert wie heute wurde in Deutschland noch nie – Online wie offline.
PAF bietet nicht nur Online Poker an, was uns von vielen anderen Online-Anbietern unterscheidet. Auf Åland und an Bord von Kreuzfahrtschiffen veranstalten wir regelmäßig große Poker-Turniere, die immer sehr gut besucht sind. Im April findet z.B. die PAF-Poker Challenge für echte Profis statt. Wir spielen Preisgelder von über 50.000€ aus. Aber auch ambitionierte Semiprofis können sich bei der im Juni stattfindenden PAF Poker Championsship versuchen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Dürfen Ortsansässige und Touristen online oder in örtlichen Casinos spielen?

Disson: In unserem Casino auf Åland ist jeder Besucher herzlich willkommen. Für deutsche Touristen bestehen hier rechtlich überhaupt keine Einschränkungen. Das gleiche gilt für unsere Casinos auf See.

Schmitt, ISA-CASINOS: Kundensicherheit, Sicherheit und Geldwäscherei, wie lauten Ihre Kommentare zu diesen Themen?

Disson: Um unseren Kunden das sichere Spielen zu ermöglichen sowie Daten und Guthaben zu schützen, arbeitet wir bei der Entwicklung der Internet-Spiele ausschließlich mit modernster Software und Sicherheitstechnik. Das Resultat ist ein System auf höchstem Sicherheitsniveau. PAF behandelt alle Kundendaten streng vertraulich. Seit unserem Einstieg in Internet 1999 gab es keinen unerlaubten Zugriff auf unser System.

Schmitt, ISA-CASINOS: Kann man Ihre Firma besuchen und hinter die Kulissen schauen?

Disson: In Berlin wäre das ein Besuch in unserem Büro, bei dem Sie meine Kollegen kennen lernen könnten. Auf den Fähren und in unserem Casino auf Åland ist das sicher interessanter und touristisch vor allem im Sommer ein Erlebnis.

Schmitt, ISA-CASINOS: Unterstützen Sie wohltätige Organisationen?

Disson: Als Verein öffentlichen Rechts ist es unsere Hauptaufgabe, Gelder für wohltätige Zwecke zu sammeln. Seit seiner Gründung im Jahre 1967 hat PAF auf diese Weise fast 90 Mio. Euro für wohltätige Zwecke gespendet. 2005 über 16 Millionen Euro. Ein Beispiel: In Berlin unterstützen wir ein Projekt, dass es Kindern aus sozial schwachen Familien ermöglichen soll, sich sportlich in einer Eishockeymannschaft zu engagieren. Jeder der Eishockey kennt weiß, dass die Ausrüstung sehr teuer ist. Hier springen wir ein und helfen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Mit welchen Maßnahmen bekämpfen Sie Spielsucht?

Disson: Wir sind uns der Risiken, die im Zusammenhang mit dem Spielen im Internet existieren bewusst. Daher handeln wir nach der Maßgabe: Prävention statt Nachsorge. Intern schulen wir unsere Mitarbeiter regelmäßig zum Thema, damit sie als erste Anlaufstelle für Kunden dienen können, die eine eventuelle Spielsucht bei sich entdeckt haben.
Der Kunde selbst hat jederzeit die Möglichkeit, sein Spielkonto für eine gewisse Zeit einfrieren zu lassen. Wahlweise kann der Casino- oder Wettbereich für die Dauer von ein bis vier Wochen durch den Kunden gesperrt werden. Dies geschieht online oder über den Kundenservice. Der Spieler kann sich auch auf eine Blacklist setzen lassen. Sein Account bleibt in diesem Fall dauerhaft gesperrt.
Bei allen Spielen gelten bei uns branchenunüblich niedrige Limits. So ist der maximale Einsatz bei einer Wette 200€.

Schmitt, ISA-CASINOS: Welche Sprachen werden in Ihrem Unternehmen gesprochen?

Disson: Auf Åland wird schwedisch gesprochen. Schwedisch ist auch die Muttersprache unseres Unternehmens.
In Berlin arbeiten nur deutschsprachige Mitarbeiter. Auf den Fähren wird Schwedisch, Finnisch und Englisch gesprochen. Von Deutschland aus findet die Korrespondenz ausschließlich in Englisch statt.

Schmitt, ISA-CASINOS: Bei PAF handelt es sich um einen finnischen Casinoanbieter. Schildern Sie uns doch bitte kurz den Hintergrund Ihres Unternehmens.

Disson: Hinter der Abkürzung PAF verbirgt sich der Name åländischer Geldautomatenverein. Das Unternehmen wurde bereits 1967 gegründet und ist seit dieser Zeit ein Verein des öffentlichen Rechts. Ziel war und ist es Gelder für gemeinützige Organisationen zu sammeln. Bis zur Gründung von PAF Online 1999 haben wir Glücksspiel ausschließlich auf Åland und an Bord von Kreuzfahrtschiffen und Fähren angeboten. PAF besitzt über 30 Glückspiel-Konzessionen auf See und ist somit einer der weltweit führenden Anbieter des Onboard-Gaming. Derzeit arbeiten rund 260 Mitarbeiter für das Unternehmen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Der Zeitpunkt für den Markteintritt in Deutschland kurz vor einer möglichen Liberalisierung des Marktes ist mit Bedacht gewählt. Was erhoffen Sie sich von einer solchen?

Pokerraum Disson: Die aktuelle Entwicklung auf dem deutschen Markt ist natürlich auch für uns sehr interessant. Es ist ja so, dass der Markt für Glücksspiel und Wetten in Deutschland generell noch sehr unterentwickelt ist und z.B. im Bereich der Sportwetten ein enormes Potenzial steckt. Wir rechnen mit einer Verdreifachung des Volumens bis 2010. Im Zuge der Liberalisierung werden sich auch für Anbieter mit europäischer Lizenz neue Chancen ergeben, die wir gerne nutzen möchten. Außerdem sind wir für einen transparenten Markt mit seriösen Anbietern und möchten hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Schmitt, ISA-CASINOS: Wie unterscheidet sich der Markt in Finnland von dem in Deutschland?

Disson: Generell kann man sagen, dass der Umgang mit Glücksspiel in Finnland ein unverkrampfterer ist als in Deutschland. Verantwortungsvolles Spielen gehört dort zum Alltag. Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Supermarkt zwischen Einkauf und Kasse noch ein paar Euro in den bereitstehenden Automaten geworfen werden.

Schmitt, ISA-CASINOS: Welches Angebot erwartet den deutschen Spieler auf Ihrem Online Angebot? Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Disson: Im Bereich der Wetten bieten wir unseren Kunden unschlagbare Quoten beim Eishockey. Eine klare Stärke. Auch der Bereich der Unterhaltungswetten wird kontinuierlich ausgebaut und um Ereignisse erweitert, auf die man normalerweise nicht wettet. Wir wissen aber auch, dass wir um auf dem deutschen Markt wettbewerbsfähig sein zu können, unser Wettangebot noch erweitern müssen. Im Casino erwarten den Spieler weit über 20 verschiedene Tischspiele wie Roulette und Black Jack sowie viele spannende Slotmaschinen und Lotterien. Besonders attraktiv ist unser Pokerraum, in dem die Spieler gegen Gegner weltweit antreten können. Hier veranstalten wir auch Turniere und bieten Satelliten an, bei denen sich die Spieler für unsere Offline-Turniere im Casino PAF auf Åland qualifizieren können.

Schmitt, ISA-CASINOS: An was denken Sie zuerst, wenn Sie an Spaß in Ihrem Job denken?

Disson: Besonders die Internationalität des Geschäfts und der Umgang mit Menschen aus der ganzen Welt ist sicher ein großer Anreiz für diesen Beruf. Glücksspiel und Wetten sind aber auch ein sehr spannendes Produkt und nicht gerade alltäglich. Als Betriebswirt und Jurist arbeite ich zudem in einer Branche, die diese beiden Richtungen auf eine ganz besonders interessante Art und Weise vereint.

Schmitt, ISA-CASINOS: Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Disson: Seit Anfang 2005 lebe ich in Berlin. Eine faszinierende Stadt wie ich finde. Das Freizeitangebot ist groß und wird von mir ausgiebig genutzt.
Außerdem gehe ich sehr gerne essen oder koche zu Hause mit Freunden. Durch meine Zeit in Italien besonders gerne italienische Küche. Ich bin leidenschaftlicher Pokerspieler und würde wohl noch öfter spielen, wären meine Freunde nur etwas besser. Von Zeit zu Zeit sieht man mich daher auch im Casino.

ISA-CASINOS: Herr Disson, vielen Dank für das Gespräch.