WSOP 2008: Nur 1.297 Spieler starteten in Tag 1A des Main Events

Mit dem gewohnten Spektakel wurde am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit Las Vegas das letzte Turnier der World Series of Poker 2008 eingeläutet. „Mr. Las Vegas“ Wayne Newton persönlich sprach mit viel Hingabe die magischen Worte „shuffle up and deal“ und ab ging die wilde Fahrt bei der USD 10.000 World Championship Texas No-Limit Hold’em – allerdings mit enttäuschenden 1.297 zahlenden Gästen. Natürlich werden an den drei folgenden Starttagen am Wochenende wesentlich mehr Teilnehmer erwartet, aber um die 6.358 Spieler vom Vorjahr zu überbieten, müssten es im Schnitt dann schon über 1.600 sein.

Aber kommen wir zu Tag 1A, denn der hatte sowohl hochklassiges als auch unterirdisches Poker zu bieten. Natürlich waren auch einige spektakuläre Hände dabei, die auf der einen Seite unglaubliche Glücksgefühle auslösten und gleichzeitig die Unterlegenen dazu verleiten könnten, nie wieder Karten in die Hand zu nehmen.

Fangen wir mit einer Hand dieser Sorte an. Der Main Event befand sich bereits in Level vier (150/300, Ante: 25) und an Tisch Nr. 1, in der orangen Turnierzone, raiste Motoyuki Mabuchi in mittlerer Position auf 850. Justin Phillips callte aus dem Big Blind und der Flop mit A [key:card_hearts] 9 [key:card_clubs] Q [key:card_diamonds] wurde von beiden Akteuren gecheckt. Die 10 [key:card_diamonds] am Turn verleitete den Japaner dann zu einem Bet von 1.600 Chips, Phillips callte und am River drehte der Dealer A [key:card_diamonds] um. Was harmlos begonnen hatte, endete in einem großen Showdown, denn nach einem weiteren Einsatz von Mabuchi für 2.500 Chips checkraiste Phillips plötzlich auf 8.500. Mabuchi war sichtlich verwirrt und ging mit den Worten „let’s gamble“ all-in. Phillips wiederum zögerte keine Sekunde und instacallte. Mabuchi war gecovert und im Pot lagen damit rund 60.000 in Chips, als der Japaner Pocketaces für Quads umdrehte. „Das ist wirklich krank“, so die Reaktion von Phillips, der schon fast entschuldigend in die Richtung seines Gegners blickte. Und tatsächlich hielten die vier Asse nicht stand, denn der US-Amerikaner drehte K [key:card_diamonds] J [key:card_diamonds] für die unumstößlichen Nuts um – Royal Flush!

Einige Tische weiter und einige Minuten später, also ebenfalls in Level vier, wurde an Tisch Nr. 8 gezeigt, wie man dieses Turnier mit Sicherheit nicht gewinnen kann. Nutznießer war glücklicherweise ein deutscher Pokerspieler. PokerStars Supernova Elite Thomas Richter limpte in früher Position mit A [key:card_diamonds] 2 [key:card_diamonds] und insgesamt fünf Spieler sahen den Flop mit 7 [key:card_spades] A [key:card_hearts] 2 [key:card_hearts]. Der Big Blind checkte, Thomas spielte 1.200 an und bekam ein Raise auf 4.800 von einem Spieler in mittlerer Position, der zuvor schon durch seltsames Spiel aufgefallen war, sodass zu Thomas gefoldet wurde.

Der Münchener überlegte kurz und reraiste um weitere 12.400 auf insgesamt 17.200. Damit blieben ihm nur noch ca. 3.000 Chips und dennoch setzte ihn sein Gegner all-in. Jetzt könnte man als Außenstehender natürlich denken, dass hier vielleicht ein Set im Spiel war, ein besseres Two Pair oder mindestens ein Flushdraw. Das war allerdings nicht der Fall, denn im Showdown drehte „Mr. Suckout“ mit A [key:card_clubs] 9 [key:card_spades] nicht unbedingt ein Monster um. Und mit einem Suck-out, den genauer dieser Spieler u. a. mit Pocketjacks nach einem Preflop-All-in gegen Asse zuvor ausgeteilt hatte, wurde es diesmal auch nichts. Turn und River änderten nichts, sodass Thomas Richter auf 42.000 verdoppelte. Am Ende des Tages standen sogar 96.500 Chips zu Buche.

Rund lief es auch bei Haward Speer, der bereits im dritten Level aus seinen zu Beginn 20.000 Chips 55.000 gemacht hatte. Der Deutsche gewann eine große Hand, nachdem er mit A K vom Button geraist hatte und ein Reraise vom Big Blind bekam. Der Flop brachte K K 10, Speer callte für 2.500 Chips und raiste denselben Einsatz seines Gegners nach einer 6 am Turn auf 9.500. Der callte und checkte nach einer 10 am River zu Speer. Speer feuerte weitere 12.500 in die Mitte, wieder callte der Big Blind und drehte im Showdown Pocketaces um. Speer wird am zweiten Turniertag mit 54.850 Chips dabei sein.

Leider gibt es aus deutscher Sicht sonst wenig gute Nachrichten zu vermelden. Christoph Niesert war bereits früh angeschlagen, nachdem er mit Two Pair gegen ein Set und einem Flush viele Chips eingebüßt hatte. Am Ende von Level zwei war dann schon Endstation, wie auch für PokerStars ShootingStar Benjamin Kang, der mit einer Straight seine Chips am Turn in die Mitte brachte und am River gegen ein Full House unterlag. Nicht wesentlich länger lief das Turnier für Team-PokerStars-Pro Katja Thater, die mit Pocketjacks gegen 10 [key:card_hearts] 7 [key:card_hearts] ihre restlichen Chips abgab (Flop: 7 5 7), sowie Jan von Halle und Mathias Kürschner. Auch für unseren Bracelet-Gewinner Jens Vörtmann war das Ende nah, denn er hielt in Level zwei nur 2.500 Chips. Doch ihm gelang die Wende und er schloss den Tag immerhin mit 32.500 Chips ab.

Vom Team PokerStars Pro mussten neben Katja Thater auch Chad Brown, der zeitweise schon über 40.000 Chips vor sich stehen gehabt hatte, Tuan Lam, Raymond Rahme, Luca Pagano und Marcin Horecki die Segel streichen. In den zweiten Tag schafften es dagegen Barry Greenstein (16.000) und Noah Boeken (41.000). Auch Scotty Nguyen hat es mit 24.000 Chips geschafft.

Vorn im Chipcount platzierten sich Mark Garner (205.000), Brandon Adams (175.000) und Kellen Hungter (150.000). Insgesamt überlebten ca. 630 Spieler die fünf Level von Tag 1A. Die genauen Zahlen und Chipcounts liegen aber erst in einigen Stunden vor. Wir hoffen natürlich, dass in der offiziellen Liste dann noch weitere Spieler aus dem deutschsprachigen Raum auftauchen.

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