WSOP 2008: Felix rockt den Main Event

Nachdem das Geschehen am Donnerstag an der Bubble eher zäh und gemessen war, legten die im Main Event der WSOP verbliebenen 474 Spieler gestern ein derart atemberaubendes Tempo vor, dass die Turnierleitung kurz vor dem Dinnerbreak beschloss, nur noch einen Level spielen zu lassen. Die „überlebenden“ 189 Spieler nehmen heute um 12 Uhr (Ortszeit Las Vegas) wieder ihre Arbeit auf.

Kaum eine Minute, in der von den Tischen nicht das bekannte „All-in and call“ ertönte. Die Kamerateams kamen bei ihrem Spurt zwischen den Tischen zwischendurch gar nicht mehr nach. Vom Team PokerStars Pro überstand nur Victor Ramdin (mit inoffiziell 1.300.000 in Chips) die gnadenlose Jagd. Seine Teamkollegen Bertrand Grospellier (370. für USD 28.950) und Hevad Khan (240. für USD 35.383) mussten sich mit „Trinkgeld“ abfinden. Bemerkenswert das Abschneiden der von PokerStars gesponsorten TV-Moderatorin Kara Scott, die den Tag mit immerhin 355.000 und damit tief in den Geldrängen abschloss.

Den Vogel schoss aber ein deutscher PokerStars-Qualifikant ab: Der erst 22-jährige Felix Osterland aus Halle/Saale, der zurzeit in Tübingen ein Jura-Studium absolviert, konnte kurz vor Mitternacht gut 1,3 Millionen in Chips eintüten! „Unglaublich, wie gut das hier für mich läuft“, meinte Felix, der sich bereits 2007 online für die WSOP qualifiziert hatte, aber aus Altersgründen noch nicht hatte antreten dürfen. 2008 ist er ein voller „Renner“: In Sideevents konnte er bereits zweimal cashen, nun steht dem selbstbewussten jungen Mann („mindestens USD 100.000 dürfen es schon werden“) möglicherweise der ganz große Wurf bevor.

Gut Lachen hatte auch Vito Branciforte aus Konstanz am Bodensee. Der erfahrene Live-Spieler, der bereits in Österreich und der Schweiz größere Turniere gewonnen hatte, hatte am Ende des Tages annähernd 900.000 in Chips vor sich stehen und überzeugte durch variantenreiches Spiel. Dem 33-jährigen Inhaber einer Versicherungsagentur („das managt aber meine Frau, ich spiele mindestens acht Stunden täglich Poker“) gelang so mancher Bluff, andererseits brachte er es aber auch übers Herz, Pocketqueens gegen ein kräftiges Raise wegzuschmeißen.

Mit im Rennen auch noch der in Berlin lebende Deutsch-Amerikaner Cort Kibler-Melby. Cort hatte es zwischenzeitlich auf über 500.000 in Chips gebracht, danach lief aber wenig zusammen („die hohen Blinds haben mir viel von meinem Stack weggefressen“). Am Ende des Tages verfügte Cort noch über 235.000 und zumindest eine Minimalchance, mehr daraus zu machen. Der im bayerischen Starnberg lebende Charalampos Tsaoussis schließlich hatte zuletzt einen zufriedenstellenden Stack von 365.000 vor sich stehen.

Ausgeschieden sind dagegen Denys Drobyna (459. für 27.020), Michael Schnabel (406. für USD 28.950), Marc Tschirsch (363. für USD 28.950) und der in Reutlingen lebende Dragoslav Timarac (USD 32.166). Österreichs letzte Hoffnung Marcus Feurl hat starke 800.000 gesammelt.

Ganz an der Spitze regieren die Nonames: Ein gewisser Jeremy Joseph führt mit knapp 2,2 Millionen, nachdem er schon mal 3,1 Millionen vor sich stehen gehabt hatte, Zweiter ist ein nicht minder Unbekannter namens Cristian Dragomir mit 2.065.000. Erst auf Rang neun folgt mit James McManus der erste richtig bekannte Pokerspieler. Der Journalist und Autor McManus hatte im Jahr 2000 für die Zeitschrift „Harper’s“ über die WSOP berichten sollen, hatte sich mit einem Teil seines Honorars in ein Satellite-Turnier eingekauft, dieses gewonnen. Am Ende stand ein unglaublicher fünfter Platz im Main Event! Seine Erfahrungen hat McManus in dem sehr empfehlenswerten Buch „Positively 5th Street“ verarbeitet. Jetzt, acht Jahre später, sicht sich der irischstämmige Halbprofi an, seinen Sensationserfolg eventuell zu wiederholen!

Im verbliebenen Feld fehlen auch die ganz bekannten Namen nicht: Gus Hansen steht mit 1,36 Millionen in Lauerstellung, Alexander Kostrytsin hat nach zwischenzeitlicher Schwächephase gut 1,3 Millionen in die Tüte gepackt, Allen Cunningham 1,27 Millionen. Und auch der notorische Phil Hellmuth ist noch im Spiel. Nachdem er den lieben langen Tag lamentierend an seinem Tisch verbracht hatte („this donk calls me with five/seven offsuit…“), startet er heute mit immerhin 570.000. Sein guter Kumpel Mike The Mouth Matusow hat nur 20.000 weniger zur Verfügung.

Punkt zwölf Uhr Ortszeit (21 Uhr deutscher Zeit) geht es also weiter, wir sind gespannt, wer sich durchsetzt und werden ein besonders scharfes Auge auf unsere Landsleute, insbesondere Felix Osterland, werfen!

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