Interview mit Erwin Horak Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern

Bayerns Spielbanken-Präsident Erwin Horak wirft der Politik vor, bei der privaten Konkurrenz und beim Zocken im lnternet zu viele rechtsfreie Räume zu dulden

Der Glücks-Beamte: Erwln Horak lässt im Auftrag des Frelstaats zocken. Der 59-jährige Jurist leitete bis 1997 das Pressereferat des Finanzministeriums. Er arbeitete für die CSU-Minister Gerold Tandler, Georg von Waldenfels und Erwin Huber. Seit September 1997 ist er Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und in Personalunion Chef der neun Spielbanken im Freistaat.

Focus: In den bayerischen Spielbanken rollt die Kugel nicht mehr rund – ihnen bleiben die Gäste weg. Haben die Menschen in Zeiten der Wirtschaftskrise keine Lust mehr aufs Glücksspiel, weil sie ihr Geld zusammenhalten?

Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und Chef der neun Spielbanken im Freistaat.
Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und Chef der neun Spielbanken im Freistaat.
Erwin Horak: Das muss man leider so konstatieren. Das letzte Jahr hat uns bei allen neun bayerischen Spielbanken beim Bruttoertrag ein Minus von etwas mehr als 28 Prozent und bei den Besuchern einen Rückgang von 18 Prozent gebracht. Dieser für uns unerfreuliche Trend hat sich durch die schlechte Wirtschaftslage aktuell noch einmal verstärkt. Von Anfang Januar bis Ende Mai sind die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um weitere 17 Prozent eingebrochen.

Focus: Das liegt aber nicht nur an der Wirtschaftskrise, sondern auch am Rauchverbot, das die CSU auch ihren Gästen verordnet hat. Und wir wissen doch: Der Zocker ist ein Smoker…

Horak: Es stimmt. Viele unserer Gäste sind starke Raucher. Die fahren nun in die grenznahen Casinos in Österreich und in der Tschechischen Republik. Außerdem wanderten zahlreiche Stammkunden in gewerbliche Spielhallen ab oder spielen im Internet.

Focus: In den privaten Spielhallen darf man rauchen…

Horak: …weil die eine Gesetzeslücke nutzen und sich kurzerhand zu Raucherclubs erklärt haben. Das können wir nicht. Als staatlicher Anbieter sind wir strikt an die Gesetze gebunden. Hinzu kommt, dass überall gewerbliche Spielhallen wie Pilze aus dem Boden schießen, die bis zu 23 Stunden am Tag geöffnet haben. Die Politik streitet über Laden-Öffnungszeiten bei Lebensmittelläden, Iässt die Türen privater Spielhallen aber ohne Weiteres fast rund um die Uhr offen.

Focus: Warum nehmen die privaten Spielhallen plötzlich derart überhand?

Horak: Die Länder sagen, sie seien nicht zuständig, und verweisen auf den Bund. Der pocht auf das Gewerberecht und dessen Freiheiten. Gedacht war am Anfang an Spielhallen mit zwölf Spielgeräten. Durch Mehrfachkonzessionen stehen in großen Hallen nun aber zwischen 60 und 72 Geräte – mit nahezu identischem Spielangebot.

Focus: Und was kontrollieren die Behörden?

Horak: Bauliche Anlagen, ob genügend Toiletten vorhanden sind. Die Anzahl der Geräte interessiert nicht.

Focus: Sie bieten Glücksspiel an, die Betreiber gewerblicher Spielhallen ebenso. Ärgern Sie sich als Chef der bayerischen Spielbanken in Wirklichkeit nicht über die private Konkurrenz eines einst staatlichen Monopols?

Horak: Das Problem liegt viel tiefer. Alle seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass etwa 80 Prozent aller in ambulanter Behandlung befindlichen Spielsüchtigen in Spielhallen erkrankt sind. Bei uns sind derart gefährdete Menschen namentlich registriert und werden freundlich, aber bestimmt abgewiesen. In gewerblichen Spielhallen findet eine solche soziale Kontrolle überhaupt nicht statt.

Focus: Aber Süchtige produzieren Sie doch auch…

Horak: Auch bei uns gibt es Gefährdete. Aber die Dimension ist eine ganz andere. Es gibt bundesweit 225 000 gewerbliche Automaten in 12300 Spielhallen. Dem stehen gerade mal 8000 Automaten in den 80 staatlichen Spielbanken gegenüber.

Focus: Warum kontrollieren die Kommunen diese Missstände nicht stärker?

Horak: Deren Verhalten ist sehr ambivalent. Zum einen beklagen sie zu Recht, dass sie auf Grund der Gewerbefreiheit offenbar nur wenige Möglichkeiten haben, geplante Spielhallen zu verhindern, die sich neuerdings am Stadtrand und in den Innenstädten geballt ansiedeln. Andererseits werden Mehrfachkonzessionen für Spielautomaten erteilt. Aber jeder aufgestellte Automat bringt Gewinne in die Kassen der spielhallenbetreiber und damit Gewerbesteuer-Einnahmen für die Gemeinden. Wenn es aber um eine staatliche überprüfung dieser Hallen geht, fehlt den Ordnungsämtern offenbar das dafür notwendige Personal.

Focus: Für wie gefährlich halten Sie das Glücksspiel im Intemet?

Horak: Das ist sehr gefährlich. Sie können dort ohne Probleme zwischen 2000 und 3000 Intemet-Adressen illegaler Anbieter abrufen, bei denen Sie viel Geld verlieren können – und das ohne jede behördliche Kontrolle.

Focus: Wie wollen Sie die freistaatlichen Spielbanken angesichts der wachsenden Konkurrenz privater Betreiber und von Spieleanbietem im Internet konkurrenzfähig halten? Denken Sie über neue Angebote nach?

Horak: Wir schauen nach vom. Unser Angebot ist gut, und vor allem ist es seriös. Daneben setzen wir auf die Event-Schiene und bieten unseren Gästen mit Show- und Konzertprogrammen, Comedy, Kabarett und Musik ein zusätzliches Unterhaltungsangebot. Damit werden wir uns behaupten.