Interview mit PokerStars Pro Marcel Luske

Von Georg Steiner

PokerNews hat im Rahmen der Poker EM in Baden mit Marcel Luske ein Interview geführt.

PokerNews: Sie haben als Teamkapitän das Team der Niederlande beim Nationscup angeführt, wie ist es für Sie gelaufen?

Marcel Luske (Bildquelle: PokerNews.com)
Marcel Luske (Bildquelle: PokerNews.com)
Marcel Luske: Gar nicht gut, ich bin gerade ausgeschieden. Die vielen Draws nach dem Flop bei Omaha führen meistens dazu, dass der Einsatz bezahlt wird und dann kann es ganz schwierig werden. Das gilt auch für die Gegner. Wenn die keinen Stack mehr haben, müssen Sie All in spielen und dann funktioniert es oder auch nicht. Ich habe schon bei der Entwicklung dieser Veranstaltung ein gutes Gefühl gehabt. Die Casinos Austria haben alles so gut vorbereitet, dass der Nations Cup nächstes Jahr sicherlich ein noch größerer Erfolg werden wird. Wir haben hier eine schöne Location, eine gute Betreuung und eine gute Verpflegung. Die haben sich angestrengt, das muss man wirklich sagen, ich habe viel Respekt vor dem was die Casinos hier geleistet haben.

PokerNews: Poker ist ein Sport für Einzelkämpfer, wie schwierig ist es in einem Teambewerb auf seine Teammitglieder Rücksicht nehmen zu müssen?

Marcel Luske: Als Team sind einige Dinge zu berücksichtigen, die man als Einzelspieler nicht hat. Man spielt auf Punkte und muss dabei immer seine Gegner im Auge behalten. Die Schweiz hat beispielweise sehr viele Punkte, das heißt sie werden versuchen diese Punkte zu halten und können nicht so viel Risiko nehmen. Man kann dieses Team also leichter bluffen, als ein Team das unbedingt Punkte braucht. Damit wird das Spiel manchmal zum Schachspiel, denn manch ein Gegner kann es sich einfach nicht leisten einen Einsatz zu bezahlen, wenn er nicht gerade die stärkste Hand hat.
Nächstes Jahr werden sicher wieder mehr Teams dabei sein, ich hoffe die Veranstalter verlängern die Dauer um einen Tag, dann wird es sicher wieder eine großartige Veranstaltung.

PokerNews: Sie gelten als großer Musikfan, woher kommt diese Leidenschaft?

Marcel Luske: Als ich jung war, hat meine Mutter immer gesungen, wenn sie uns zu Bett gebracht hat. Auch wenn die Zeiten schlecht waren, meine Mutter war immer fröhlich und hat immer gesungen. Wir waren eine große Familie, ich hatte drei Brüder und fünf Schwestern, da mussten sich meine Eltern hocharbeiten um gut für uns sorgen zu können. Ich wollte immer singen und Gitarre spielen.

PokerNews: Sie präsentieren im Dezember ihr erstes Album, was dürfen wir erwarten?

Marcel Luske: Ich habe nie gesagt ich kann singen, ich habe immer gesagt ich versuche zu singen. Ich wurde schon zweimal wegen meinem Pokersong gefragt eine Platte zu machen, beim dritten Mal habe ich dann zugesagt. Wir haben dann einen Test gemacht bei Menschen, die mich nicht als Pokerspieler kennen und meine Musik ist gut angekommen. Wenn ich schon so etwas mache, dann muss auch die Qualität passen. Es macht mir einfach Spaß und ich habe die Herausforderung angenommen.

Poker ist noch immer eine Passion für mich, es macht mir viel Freude bei verschiedenen Events dabei zu sein. Ich bin da in einer sehr angenehmen Position, weil man mich kennt und fragt ob ich bei TV-Shows u.ä. dabei sein will. Aber hin und wieder möchte ich auch etwas anderes machen. Ich hoffe die Leute genießen das Album.

Mein Sponsor PokerStars unterstützt die Produktion, denn Sie glauben an mich und denken, dass die Produktion gut für die Pokerindustrie sein kann. Wir wollen dass Poker und Unterhaltung zusammenkommen, damit die Menschen sehen, dass Poker eine Form von Entertainment ist.

Poker ist wie das Leben, man kann viel für das Leben lernen. Man muss Entscheidungen treffen und dazu stehen, auch wenn man vielleicht verliert. Für junge Leute ist es ganz wichtig, dass Sie lernen mit Geld umzugehen. Am Pokertisch läuft nicht immer alles nach Plan, da kann man nicht alles hinschmeißen. Da steht man auf, rechnet noch mal nach, und beginnt wieder neu.

PokerNews: Sie setzen sich sehr stark für eine weltweite Vereinheitlichung der Pokerregeln ein, was können sie uns darüber erzählen?

Marcel Luske: Ich versuche als Gründer der Organisation FIDPA die Pokerregeln zu vereinheitlichen. Viele Veranstalter organisieren Turniere im besten Willen, dennoch sind die Regeln nicht gleich. Nicht nur von Stadt zu Stadt, sogar von Casino zu Casino gibt es unterschiedliche Regeln. Das ist ein großes Problem. Da ich sehr viel reise und viel Erfahrung im Poker habe, habe ich diese Organisation gegründet. Wir haben die Spielregeln zusammengestellt und formuliert. Die Regeln sind dazu da, Sicherheit für Spieler und Veranstalter zu schaffen, wie man das auch aus anderen Sportarten kennt.
Der Veranstalter hat die Pflicht gleiche Bedingungen für alle zu schaffen, die Spieler haben die Pflicht sich zu benehmen und fair zu sein.

Eine klare Richtlinie bei den Sprachen ist meiner Meinung nach wichtig. Also jeweils die lokale Sprache des Landes plus eine internationale Sprache wie Englisch. Damit versteht der Dealer was am Tisch gesprochen wird und der Spieler weiß, was ihn erwartet. Derzeit sind die unterschiedlichen Hausregeln in den Casinos ein Problem. Da kommt ein Spieler ins Casino, ist bereit viel Geld auszugeben und hat aber keine Sicherheit, dass nach einem einheitlichen Standard gespielt wird.

Die Ausarbeitung der internationalen Pokerregeln hat viel Zeitgekostet, aber diese Transparenz ist wichtig. Blut, Schweiß und Tränen stecken in dieser Arbeit. Natürlich wird noch viel Lobbyingarbeit notwendig sein, um eine Umsetzung zu erreichen. PokerStars steht hinter mir und unterstützt meine Bemühungen.

PokerNews: Im November findet der Final Table der November Nine in Las Vegas statt, was ist ihr Tipp?

Marcel Luske: Phil Ivey hat bereits sehr viel geleistet, dass es bis zum Finaltisch geschafft hat. Es zeigt sich, dass er derzeit der beste Allroundspieler der Welt ist. Zwei Bracelets bei der WSOP zu gewinnen und beim Main Event am Finaltisch zu sitzen ist eine großartige Leistung.

Es gibt viele gute Pokerspieler, aber die haben vielleicht nicht die Möglichkeit gehabt das auch zu zeigen. Phil Ivey weiß schon was er macht, er wird natürlich so lange wie möglich dabei bleiben wollen, damit er auch Airtime bekommt. Mit dabei ist auch James Akenhead aus England, ich hoffe dass er das gewinnt.
Für Poker wäre es gut wenn ein bekannter Spieler wie Phil Ivey gewinnt, denn das unterstreicht den Geschicklichkeitsfaktor von Poker. Je länger das Spiel dauert desto stärker kommt die Geschicklichkeit zum Tragen. Ein Spieler, der mit guten Karten an den Finaltisch gekommen ist, wird auf lange Sicht gegen Phil Ivey Probleme bekommen, denn je länger das Turnier dauern wird, desto stärker wird er werden und seine Fähigkeiten voll ausspielen. Kartenglück spielt dann keine Rolle mehr. Wenn Ivey jedoch schnell massiv attackiert wird und in All in´s gedrängt wird, dann wird es schwer für ihn.

Las Vegas ist eine schöne Stadt und bietet alles für Poker und das Entertainment Drumherum. Immer Sonne, gute Verpflegung und niemals Langeweile.

PokerNews: Vielen Dank für das Interview!