Sonderausstellung des Deutschen Automatenmuseums: ASTrein – Automaten aus Holz

Espelkamp. Bereits zum dritten Mal beteiligt sich die Sammlung Gauselmann – Deutsches Automatenmuseum im Rahmen der Museumsinitiative von Ostwestfalen-Lippe aktiv an regionalen Kulturthemen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Holz.

Unter dem Motto ASTrein – Automaten aus Holz präsentiert das Deutsche Automatenmuseum vom 20. April bis einschließlich 20. Juli 2012 in den Räumlichkeiten der Espelkamper Gauselmann Gruppe insgesamt 70 aus Holz gefertigte Exponate aus unterschiedlichen Epochen und europäischen Kulturen.

Die Zeitreise durch sieben Jahrzehnte und vier Staaten, die in der Geschichte der Münzautomaten eine bedeutsame Rolle spielen, führt über Deutschland nach Frankreich und England bis in die USA, um abschließend noch einen Blick in eine Restaurationswerkstatt, wie sie in ähnlicher Form auch vom Deutschen Automatenmuseum betrieben wird, zu ermöglichen.

Die Gehäuse von Spielautomaten, die für eine Aufstellung in Räumen konzipiert waren, wurden von 1880 bis 1945 dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend aus Holz gefertigt. „Wir wissen zwar oftmals sehr viel über die Erfinder der Spielsysteme, die eingesetzte Technik oder geistige Intention – über die Gehäusebauer selbst gibt es aber leider so gut wie keine Informationen“, berichtet Museumsleiterin Monika Unterkötter. Wer also gab den Automaten ihre Form? „Die Hersteller der Holzgehäuse orientierten sich vermutlich an den jeweils aktuellen Designs und Trends der vorherrschenden Wohn- und Möbelkultur“, vermutet sie.

Pierrot: Geschicklichkeitsspiel/Kugelschleuder, Frankreich, ca. 1915
Pierrot: Geschicklichkeitsspiel/Kugelschleuder, Frankreich, ca. 1915
Während die Franzosen kleine Wandautomaten bevorzugten, die sie sehr ästhetisch mit Verzierungen und Schmuckapplikationen gestalteten, liebten es die Engländer vor allem skurril. So genannte ‚working models‘, Bewegungsautomaten sowohl mit Spuk- und Gruselszenen als auch mit Sportmotiven, kamen ebenso zum Einsatz wie lebende Ameisenkolonien, die als Nudisten-Attraktion vermarktet wurden. Allesamt zeugen sie von der eigenwilligen Liebe der Engländer für Kuriositäten.

In den USA erschienen nicht nur die frühen, schrankähnlichen Slotmachines mit ihren auffälligen Metallverzierungen im Holzgewand, sondern später auch die ersten, noch relativ schlicht gehaltenen Wurlitzer-Jukeboxen.

Aufgrund seiner guten akustischen Eigenschaften wurde Holz zur Verstärkung des Klangvolumens besonders im deutschen Musikinstrumentenbau eingesetzt. Das betraf den Bau kleiner Grammophone ebenso wie große Orchestrien, die zur Unterhaltung des Publikums in vornehmen Hotels und Restaurants zu finden waren. Hier kamen kunsthandwerklich interessante Designs und Formen – entsprechend dem Geldbeutel des Auftraggebers – zur Geltung.

Holz – so natürlich wie spielen
Packard Manhattan: Jukebox, USA, 1946
Packard Manhattan: Jukebox, USA, 1946
Holz zählt kulturhistorisch zu den ältesten natürlichen Rohstoffen auf der Erde und ist nach wie vor ein bedeutendes, nachwachsendes Pflanzenprodukt. Neben seiner Funktion als Rohstofflieferant dient Holz in seiner ursprünglichen Form, in Verbindung mit Wäldern und Natur, als wertvoller Sauerstoffspender, Wasser- und Kohlenstoffspeicher und bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Spielen gehört zur Natur des Menschen. Spielen ist Ausdruck von Geselligkeitsstreben und Gemeinschaftssuche. Wie fast alle Säugetiere spielt auch der Mensch vor allem in der Kindheitsphase, wenngleich zu diesem Zeitpunkt das Spielen nicht dem Zeitvertreib, sondern dem Beginn eines Reifungsprozesses dient. Ohne Spielen wäre eine normale Entwicklung, die in der Persönlichkeitsentfaltung mündet, kaum denkbar. Unser angeborener Spieltrieb führt uns über Erfahrungen an die Bedingungen des Lebens heran. Wir lernen, Dinge um uns herum wahrzunehmen, einzuordnen und entwickeln so unsere motorischen Fähigkeiten. Auch unsere ersten Denkprozesse als Kleinkind bilden sich durch das Spiel als eine Simulation der wahrgenommen Realität erst daraufhin aus.

Das Zusammenspiel beider Elemente – Holz und menschlicher Spieltrieb – führte bereits im Mittelalter zur Entwicklung erster Gesellschafts- und Brettspiele, die fortan selbstverständlicher Bestandteil geselliger Freizeitgestaltung waren.

Sonderausstellung
ASTrein – Automaten aus Holz
20. April bis 20. Juli 2012


Öffnungszeiten

Mo.-Fr. 9 bis 16 Uhr
Besuche bitte nur nach Voranmeldung.

Telefon: 05772 / 49-484 oder per E-Mail unter HBohbrink@gauselmann.de

Eintritt frei.

www.sammlung-gauselmann.de